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★★★★★ [ Translate ] Rilkes Einziger Roman, Gemeinhin überschätzt Nach sechs Jahren der Arbeit daran (!) erschien anno 1910 Rainer Maria Rilkes (1875-1926) gerade mal knapp 160 Seiten schmaler Roman namens ‚Die Aufzeichnungen des Malte Laurid Brigge’. Dies ist nicht nur Rilkes einziger Roman, sondern er gilt auch als „der erste Roman der Moderne“. Ob dies in der abwesenden Handelung, unersichtlichem Ziele und sonstiger Struktur-Un­kennt­lichkeit begründet liege?Die Hauptfigur ist die des Titels. Dieser Malte, ein Däne, beschreibt seine erlebte Welt. Diese Be­schreibung ist eine Darstellungskette sonderlicher Andersdeutungen allgemein bekannter Vorkommnisse, die nun ähnlich den Briefen oder Tagebuchaufzeichnungen Schizophrener vor dem offenen Ausbruche ihrer Krankheit erscheinen. Beseelte Menschen existieren in deren Welt nicht, nur Anzüge, Bilder, Fassaden, Gesichter, Kleidung, Leiber, Personen, Uniformen. Gesichter werden wie Masken gewertet, die „man“ aufsetzen und abnehmen kann, darunter ein Nichtgesicht unterliegt. Bei einer Frau sah Malte, wie sie beim Nachdenken ihr Gesicht in ihre Hände gestützt hatte, dann aber erschrak und die Hände zu heftig abnahm, wobei ihr Gesicht in den Händen haftenblieb, sodass Malte Brigge vor Angst nicht hingucken mochte: „Mir graute, ein Ge­sicht von innen zu sehen, aber ich fürchtete mich doch noch viel mehr vor dem bloßen wunden Kopf ohne Gesicht.“.Wäre diese apokalyptische Angst zu’ m tieferen Gegenstand der Aufzeichnungen genommen worden, hätte es noch spannend werden können. Als Appetitanreger erzählt Malte eine Angstsituation aus seiner Kindheit, als er im Fieber darniederlag und ihm „das Große“ erschien: „Jetzt war es da. Jetzt wuchs es aus mir heraus wie eine Geschwulst, wie ein zweiter Kopf, (…) wie ein großes totes Tier, das einmal, als es noch lebte, meine Hand gewesen war oder mein Arm. (…) das Große schwoll an und mir vor das Gesicht wie eine warme bläuliche Beule (…).“ Das Große als die Bedeutsamkeit, die um den in engster Angst Bebenden anwesend ist und sozusagen an der künstlichen Grenze des unwahren Ichs anklopft, um die Ungültigkeit der gemachten Fassade zu beweisen: das hätte etwas tatsächlich Großes werden mögen.Aber leider werden in loser Reihe ohne zu ersehenden logischen Zusammenhang Anekdoten, Episoden, Betrachtungen aneinander gestellt, die nirgends hinführen. Manche sind wegen ihrer Andersheit der Deutung nicht ohne Reiz, aber die Frage bleibt: Warum all diese Worte? Mitunter kommt die Vermutung auf, der Autor habe seinerseits in seinem Dasein kein zu Tuendes, kein Ziel gewusst, jedoch bei sich gedacht: „Ach, ja! Ich als Dichter könnte ja mal einen Roman schreiben. Vielleicht wäre das etwas?“ Und dann saß er in Kaffeehäusern und schrieb, wenn er gerade keine Korrespondenz zu erledigen hatte, gelegentlich eine Seite oder zwei, die dann ohne einen sich durchziehenden Gedanken- oder Handlungsstrang zu einem angeblichen Roman zusammengeschrieben wurden. „Sind wir nicht ohne Handlungen?“, fragt Rilke gegen Ende theatralisch den Leser. „Wir entdecken wohl, dass wir die Rolle nicht wissen (…) Und so gehen wir herum, ein Gespött und eine Hälfte: weder Seiende noch Schauspieler.“Ein Weg, der nicht zu einem Ziele führt, der auch nicht seinerseits als „Ziel“ umerachtet wird, weil aus seiner Nirgendhinführendheit ein Positivum gemacht werden soll, sondern der einfach nur als Weglosigkeit übersprochen oder durch Erzählung überdeckt wird. Solches kann man machen, doch wird daraus keine große Literatur. Basileus Bibliophilos ( DE ) on Sun 8th May, 2016

★★★★ [ Translate ] Der Lyriker Als Romancier Rainer Maria Rilke selbst hat «Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge» als Prosabuch bezeichnet, nicht als Roman. Im Brockhaus wird der Roman definiert durch «die individuell gestaltete Einzelpersönlichkeit, die einer als problematisch empfundenen Welt gegenübertritt», und genau dieses Charakteristikum findet sich hier in der fiktiven Figur des dänischen Poeten, der einem aussterbenden Adelsgeschlecht angehört und als armer Dichter in Paris seinen Weg sucht - also doch ein Roman! Es ist der einzige, den der Lyriker Rilke geschrieben hat, ganz unter dem Eindruck seines Aufenthaltes in der damals drittgrößten Stadt der Welt, sein Roman wurde 1910 veröffentlicht.Im ersten Teil der fragmentarischen, aus 71 Aufzeichnungen bestehenden Erzählung berichtet der 28jährige Malte als eine Art Tagebuchschreiber von seinen Pariser Erlebnissen und den schockierenden Eindrücken, der Moloch Großstadt steht jedenfalls in krassem Gegensatz zu seiner Kindheit in einer wohlbehüteten ländlichen Welt. Er schildert die Menschenmassen und das unsägliche Elend, das mit der Industrialisierung einhergeht. Verfall, Krankheit und Tod scheinen allgegenwärtig, ständig begegnen ihm nie gesehene Aussätzige, Krüppel, übelste Gerüche verfolgen ihn auf seinen Streifzügen, - in seinem Eckel ist ihm die Bibliothek einzige Zufluchtsstätte im Paris des Fin de Siècle. Seine Kindheitserinnerungen im zweiten Themenkomplex sind geprägt von hochherrschaftlichen Wohnsitzen mit großen Zimmerfluchten, dunklen Ölgemälden mit den Portraits der Vorfahren, steifen Essensritualen im Kreise der Familie, sogar der Spuk einer vor hundert Jahren gestorbene Ahnfrau fehlt da nicht, sie erscheint gelegentlich in weißem Kleide und durchquert das Esszimmer, zum Schrecken aller. Und ganz verschlüsselt schimmert auch eine verbotene Liebe durch in den Jugendbildern, von denen Malte in nicht chronologischer Folge berichtet.Ergänzt wird all dies durch Reflexionen über historische Ereignisse, denen zu folgen, deren Anspielungen zu verstehen, den Normalleser deutlich überfordern dürfte, bei mir war es jedenfalls so. Ob da von längst verblichenen Königen oder edlen Damen die Rede ist, vom Papst in Avignon, von antiken Gestalten, hundert Jahre nach Erscheinen des Romans dürfte dem heutigen Leser oft der adäquate Verständnishintergrund fehlen. Einfacher ist es da und auch ergiebiger, Rilkes Gedanken über Grundfragen menschlichen Lebens zu folgen, die Frage nach Gott, die eigene Identität, Schicksal, Liebe, Angst, Tod, aber auch Gesellschaft, Kunst und Sprache natürlich, die Benennung von Geschehnissen und Dingen also, deren pure Existenz ohne die Sprache ihm fraglich erscheint.Und damit sind wir genau bei dem, was diesen Roman auszeichnet, die unglaublich feinfühlige, tiefgründige Sprache nämlich, die ihresgleichen sucht in der deutschen Prosa, kurzum subtil Erzähltes, gemeinhin als Prosagedicht bezeichnet. Hier wird nicht blumig in Worten geschwelgt wie bei manchen Großschriftstellern, nicht maßlos ausufernd wie bei seinem Zeitgenossen Proust zum Beispiel, Rilke entwirft im Gegenteil in knappen Worten einen ganzen Kosmos an Gedanken. Die Dichte seiner Prosa ist atemberaubend, er war der sensible Poet, der «unter dem Sichtbaren nach dem Äquivalenten suchte für das innen Gesehene», und was wir als Ergebnis bei ihm lesen ist äußerst komprimierte «Schmucksprache» im besten Sinne des Wortes. Als einer der Wegbereiter der literarischen Moderne verwendet Rilke Montagetechniken, setzt den Bewusstseinsstrom ein, sogar ein fiktiver Herausgeber findet sich, personifiziert durch gelegentlich eingestreute Randnotizen im Manuskript und verschiedene Fassungen im Anhang. Auch wenn wir nicht alles erfahren über Malte, an dieser oder jener Verständnisklippe scheitern, dieser Roman ist ein sprachliches Fest für entsprechend orientierte Leser mit Muße für ihre Lektüre, vielleicht sogar mit der seltenen Geduld, ein schwieriges, aber wichtiges Werk auch mehrmals zu lesen. Borux ( DE ) on Mon 24th Aug, 2015

★★★★★ Lyrical Thoughts This book is a kind of diary full of amazing, deep lyrical thoughts and musings. This can be dipped into wherever one wishes and one will be rewarded with new and amazing discoveries regarding the human soul. Kindle Customer ( UK ) on Tue 14th Oct, 2014

★★★★★ [ Translate ] Einer Der Größten Romane Des 20. Jh. Die Lektüre des Malte Laurids Brigge ist ein Vergnügen für jeden, der sich für die Literatur der Moderne interessiert. Die wichtigsten Themen sind der Tod und die Kunst. Rilke macht eine sehr treffende Analyse der modernen Zeiten, die den Tod ignorieren und auf diese Weise das echte, individuelle Leben verlieren. maria ( DE ) on Sat 11th Oct, 2014

★★★★★ [ Translate ] Kommentar Zu Rilkes "Aufzeichnungen Des Malte Laurids Brigge" In Rilkes poetischer Sprache geschrieben, liest sich der Text sehr angenehm. Auch Autobiographisches fließt ein, z.B. seine berühmte Neuinterpretation der Geschichte vom verlorenen Sohn. Aufgrund der psychologischen Aspekte ist das Buch wohl erst für Leser ab ungefähr vierzehn Jahren geeignet. Christoph Liegener ( DE ) on Thu 4th Sep, 2014

★★★★★ [ Translate ] Kostbar Wenn Auch Schwer Zu Verdauen wie lange kenne ich den text nicht schon, und noch immer gibt er mir seine rätsel auf und macht mich nachdenklich. Amazon-Kunde ( DE ) on Sat 24th May, 2014

★★★★★ [ Translate ] Empfehlenswert! Rilkes Schreibstil ist zauberhaft und fesselnd - wenn man sich drauf einlassen kann. "Die Aufzeichnungen des M. L. Brigge" ist definitiv eine meiner liebsten Lektüren. Ich kann dieses Buch jedem detailverliebten Leser von Herzen empfehlen! Verena Reiter ( DE ) on Fri 1st Nov, 2013

★★★★★ [ Translate ] Die Aufzeichnungen Des Malte Laurids Brigge R. M. Rilkes Meisterwerk: seit meiner Jugend habe ich seine Aufzeichnungen zu meiner Sehschule im Sinne Kokoschkas gemacht Was für ein geniales Werk! So liest sich Kunst ! Der Schluss , de ich nie schaffte - er war schwächer als der Begin ! Rilke in seiner jugendlicher Höchstform! peter scheer ( DE ) on Sun 15th Jul, 2012

★★★★★ [ Translate ] Manche Bücher Liegen Wie Blei Auf Unserer Seele Und Dennoch Sind Sie Sehr Empfehlenswert.., Der verarmte, dänische Adelige Malte Laurids Brigge beschreibt seinen Aufenthalt in Paris. Überaus schwermütig und ein wenig kraftlos wirkt dieser höchst sensible, junge Mann, der Schriftsteller werden möchte.Die hektische Großstadt - zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts - wirkt auf Malte abschreckend. Er zieht sich in seine Innenwelt zurück, reflektiert seine Kindheit und schreibt in wohlgesetzten Worten über das, was er an Bedrückendem auf seinen Spaziergängen durch Frankreichs Hauptstadt wahrnimmt.Laut gelesen hat Rilkes Prosawerk beinahe lyrischen Charakter. Dieses Buch eignet sich nicht für düstere Novembertage. Selbst Frohnaturen sollten sich auf depressive Anwandlungen gefasst machen. Dennoch ist der Text empfehlenswert, da die Sprache dieses Künstlers unglaublich feinsinnig ist.Empfehlenswert. Helga König ( DE ) on Tue 29th Nov, 2011

★★★★★ [ Translate ] "Wir Verdünnen Fortwährend Unser Verstehen, Damit Es Reichen Soll" Der Text ist eine Aneinanderreihung von eher zusammenhangslosen Notizen eines überfeinerten und labilen Geistes. Die Wahrnehmungsfetzen beinhalten Szenen des mal hässlichen, mal malerischen Paris, in dem sich der verarmte junge Adelige Brigge niederlässt: Menschenmassen, ihre Geräusche und Ausdünstungen, Licht an einem Herbstmorgen, auch surreale Momente, wie z.B. eine Frau, die ihr Gesicht, wie eine Maske abgenommen, in den Händen hält.Dann sind da die Kindheitserinnerungen des Protagonisten aus einem düsteren dänischen Familienschloss, in dem es spukt. Daneben das Nachsinnen über lepröse burgundische Adelige, über Sappho, die Visionen des Papstes in Avignon, russische Thronfolgeproblematiken, dunkle Anspielungen auf eine verbotene Liebe usw. Es wird dem Leser dabei nicht leicht gemacht den jeweiligen Schauplatz und den Übergang von einem zu anderem zu identifizieren.Die Aufzeichnungen sind mit der modernistisch überbetonten Selbstbezogenheit durchtränkt. Die neurotische Dramatisierung und Suhlen in eigener Zerrissenheit ist zwar von einem hohen sprachlichen Niveau: Das Buch ist poetisch, stellenweise dunkel-mysteriös und nicht ohne einen oder anderen Gedankenblitz. Gleichzeitig jedoch ist es in weiten Teilen zäh, eine ziemlich private Angelegenheit des Autors, die gelegentlich berührt, als Roman jedoch nicht befriedigt. Das Werk ist höchstens etwas für Lyrikliebhaber, ein routinierter Romanleser wird mit hoher Wahrscheinlichkeit enttäuscht sein. Solzimer ( DE ) on Fri 27th May, 2011

★★★★ [ Translate ] »Es Wechselt Paradieses' Helle.. ... mit tiefer, schauervoller Nacht«, könnte man über dieses Buch sagen. Obwohl sich häufig die Bezeichnung "Roman" findet, handelt es sich - wie der Titel schon vermuten lässt - bei diesem Buch eher um eine Sammlung einzelner Aufzeichnungen, die häufig in keinem äußerlichen Zusammenhang zueinander stehen. Leider schwankt nach meinem Empfinden auch die Qualität: Einige Passagen fand ich großartig, von unglaublicher sprachlicher Dichte und Intensität, während andere (z.B. manche Kindheitserinnerungen und v.a. der "historische" (?) Teil zum Schluss) umständlich erzählt waren und bei denen die Bilder und Metaphern etwas bemüht wirkten.Dennoch war das Buch im Ganzen eine tolle Erfahrung und Bereicherung; lediglich ein Stern Abzug wegen den Schwankungen und trotz alledem eine ausdrückliche Empfehlung meinerseits. Daniel Weißauer ( DE ) on Sat 23rd Apr, 2011

★★★★★ [ Translate ] Die "Dunkle Nacht Des Ego"? Wie eine Motte, die in der Finsternis um ein allzu fahles Licht kreist, bewegen sich die Beobachtungen, Reflexionen und Lebenserinnerungen des adligen Malte Laurids Brigge - ohne Tat und Handlung - um die Themen Tod und Vergänglichkeit, den Wahn und das Okkulte. Allerdings scheint mir der Schlüssel zu diesem Werk, der nur durch seine Atmosphäre von Zwielicht und trüber, abgründiger Ahnung zusammengehalten wird, auf den letzten Seiten des Textes gegeben, in denen Rilke das Geistliche, das Spirituelle anspricht. Man könnte nämlich die "Aufzeichnungen" als eine Erzählung lesen, in denen die "dunkle Nacht des Ego" beschrieben wird, wie einige Autoren jene innere Verfassung auf dem spirituellen Weg benennen, in denen tiefere Einsichten in die Wahrheit bereits zu einem "der-Welt-Absterben" geführt haben, aber noch nicht die "Wiedergeburt in Gott" stattgefunden hat. Solcherart Übergang gilt als kritisch und gefährlich, kann doch der Mensch durch sie in Verzweiflung und Wahnsinn gestürzt werden. Es mag sein, dass Rilke hier eigene Erfahrungen dem Leser verständlich machen, einen Ausnahmezustand der Psyche für die Nachwelt mit den Mitteln der Prosa festhalten wollte. Kankin Gawain ( DE ) on Mon 1st Nov, 2010

★★★★★ [ Translate ] Bewegende Schilderungen Ich habe mir diesen Klassiker von Rainer Maria Rilke noch einmal in dieser schönen Ausgabe gekauft und Rilkes einzigen Roman nach Jahren noch einmal gelesen. Wie wunderbar sensibel und wortgewaltig Rilke einerseits Paris und andererseits das Leben in einem Herrenhaus auf dem Lande in Dänemark schildert. Hier verarbeitet Rilke seine Erfahrungen, die er während mehrerer Aufenthalte als Gast von Prinz Emil von Schoenaich-Carolath-Schilden auf Schloss Haseldorf (Holstein an der Elbe) gemacht hat. Es lohnt sich, dieses Buch in aller Ruhe, Wort für Wort zu lesen und zu genießen. Man sollte sich Zeit nehmen und die große bewegende Wortkunst Rilkes erfühlen. Leselust ( DE ) on Tue 27th Jul, 2010

★★★★★ [ Translate ] Prosa Der Besonderen Art Rilkes "Malte" belegt mit Sicherheit einen Spitzenplatz in meiner persönlichen Bestenliste, ist eins der ganz wenigen Bücher, die ich zu zwei verschiedenen Zeiten meines Lebens mit gleicher wenn nicht gewachsener Begeisterung gelesen habe.Das erste Mal still und allein während des Studiums - es war eins meiner mündlichen Prüfungsthemen. Das zweite Mal etwa drei Jahrzehnte später zu dritt bei Kerzenschein im Kreis der Familie an den Abenden "zwischen den Jahren", bei denen es manchmal auch Nacht wurde.Zugegeben: die beiden anderen teilten nicht uneingeschränkt mein Hochgefühl, aber damit sind sie ja wirklich nicht allein, viele kommen mit dem Text noch weniger klar. Manche Leseerwartungen werden durchaus verletzt, wenn Lyriker sich an Prosa wagen, gerade Rilke macht es manchen schwer mit seiner assoziativen, impressionistischen oder meinetwegen surrealistischen Schreibweise bei den Aufzeichnungen. Einige neigen dann zu Sprüchen wie "Dichter, bleib bei deinen Versen..." Manchmal stimme ich selbst in sowas mit ein, aber nicht in diesem Fall. Ich schätze durchaus einige von Rilkes Gedichten, die mich aber nur in seltensten Fällen so eindringlich ansprechen wie die Aufzeichnungen des Malte.Gerade die Sensibilität des Lyrikers macht ihn so empfänglich für die Fülle von Sinneseindrücken in der Großstadt, denen er eine in sich ruhende Welt einer entfernten Kinderzeit gegenüberstellt um Halt zu finden - Rückblicke, die manchmal noch viel weiter in die Vergangenheit zurückgehen und so etwas wie Archetypen und Urbilder sichtbar machen, die die flutende Vielfalt der Großstadtszenen bannen können.Mitunter wird Rilkes "Malte" mit Prousts "Suche nach der verlorenen Zeit" verglichen: beide Autoren schreiben etwa zur gleichen Zeit, Paris ist der Hauptschauplatz, dem in beiden Fällen so etwas wie eine Kindheit auf dem Lande entgegengehalten wird. Ich habe Proust erst kürzlich gelesen, weiß also nicht, wie nachhaltig sein Monumentalwerk bei mir in Erinnerung bleiben wird. Aktuell betrachtet konnte es jedoch bestenfalls mit Rilkes Buch gleichziehen, braucht aber mindestens zehn Mal so viel Umfang und ergo Lesezeit, um eine ähnliche Wirkung zu erzielen. Prousts Manko ist für mich neben etlichen Längen sein im Vergleich zum "Malte" wesentlich unsympathischerer Ich-Erzähler, der doch sehr aufstiegsorientiert und zeitweise snobistisch wirkt und letzten Endes wie die meisten der von ihm Porträtierten nur zur Eigenliebe fähig ist, während "Malte" in die Großstadt hinabsteigt und eher bereit wäre, sich zu den Aussätzigen und Ausgestoßenen zu betten - man denke nur an die Szene mit dem Veitstänzer, für den er sein bisschen Kraft wie Geld zusammenlegen möchte ... Und schließlich: geht nicht auch von Abelone mehr Zauber aus als von Albertine? B. Gutleben ( DE ) on Wed 28th Oct, 2009

★★★★★ [ Translate ] In Der Ausgabe Der Hamburger Lesehefte Zu einem doch äußerst fairen Preis vereint die Hamburger-Lesehefte-Ausgabe die "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge" mit der "Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke". Unverständlich, dass der sehr günstige Band hier bei Amazon nicht im Neu-Direkt-Sortiment ist (Stand August 2009).Beide Werke also zeigen Rilkes intensives Hineinphantasieren in eine künstliche Existenz. Der "Cornet" ist ein lyrisches Werk, das eine Heldengestalt im 17. Jahrhundert besingt. Bekannter dürfte "Malte Laurids Brigge" sein. Zunächst fragt sich der Leser noch kurz, ob Rilke sich als blonder nordischer dänischer Edler stilisieren wollte und ob er so etwas nötig hatte. Die Erläuterungen des Lesehefts verraten jedoch, dass er sich von dänischen Werken hat "inspirieren" lassen. Auch die anderen Erläuterungen hinten im Heft erweisen sich als sinnvoll.Rilke strapaziert die Sprache bis zum Äußersten, er verdichtet sie und schafft eigene Ausdrücke. Das kann den einen enervieren und den anderen in höchste Verzückung versetzen. Handlung jedenfalls vergessen wir mal zunächst. Hierin finden Sie eingedampfte Sätze und Betrachtungen.Ausgabe: fünf Sterne.Werk (für mich zumindest, entscheiden Sie für sich nach Obigem): zwei bis drei Sterne, da es auf mich völlig abgeschottet, sich selbst genug wirkte. Zusammen sind das gute drei Sterne. Serenus Zeitblom ( DE ) on Sat 8th Aug, 2009

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Die Aufzeichnungen Des Malte Laurids Brigge

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